Geschichte der Pastellmalerei


Pastell vom Frühbarock bis heute

Die Verwendung von Pastellkreiden geht zurück bis in das späte 15. Jahrhundert und damit umfasst die Geschichte der Pastellmalerei in Europa eine Zeit von über fünf Jahrhunderten. Zeichenkreiden waren seit Ende des 15. Jahrhunderts die bekanntesten Zeichenmittel, aber mit dem Begriff Pastell wurde damals schon ein einfacher Zeichenstift aus gepresstem Farbstaub bezeichnet, wobei in jener Zeit nur die Farben Schwarz, Weiß und Rot zur Verfügung standen.

Die Pastellmalerei nahm aber ihren Platz in der bekannten Kunstgeschichte erst relativ spät ein. Sie wurde erst im 17. und 18. Jahrhundert richtig populär.  Vor dieser Zeit wurden weichen Kreiden eher dazu verwendet, um andere Zeichnungen punktuell zu verändern oder aufzulockern.

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Die Pioniere der Pastellmalerei

In Italien erkannte Leonardo da Vinci (1452-1519) als einer der ersten Künstler den Wert dieser neuen Malweise. Er setzte sie dann auch in seinen Studien für das Letzte Abendmahl ein.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Zeichnen mit drei Kreiden zunehmend populärer, bei der auf einem getönten Papier schwarze, rote und weiße Kreiden eingesetzt wurden.  Um 1665 verwendete der Franzose Charles Lebrun die noch recht unbekannten Pastellkreiden für ein höfisches Porträt von Ludwig XIV., wodurch dieses Medium eine gewisse Aufmerksamkeit erhielt.

Die meisten Künstler verwendeten die Pastellkreiden aber nur als Ergänzung zu ihren eigentlichen Maltechniken. Als erste Künstlerin fokussierte sich Rosalba Carriera ( 1675-1758) auf diese neuen Materialien und arbeitet ausschließlich mit Pastellkreiden.  Ihre Porträts in Pastelltechnik fanden große Bewunderung sowohl in Italien wie auch in Frankreich.  Mit ihrer Technik und ihrem Stil war Rosalba Carriera so erfolgreich, so dass sie Porträtaufträge in allen großen Städten Europas erhielt.

1720 reiste sie nach Paris, wo sie innerhalb von einem Jahr um die 50 Porträts gemalt haben soll. Rosalba Carriera übte auf die Maler dieser Zeit einen ungeheuren Einfluss aus und viele zeitgenössische Künstler übernahmen ihren typischen Stil

Der französische Künstler Joseph Vivian (1657-1735) hatte zwar ebenfalls die Pastellmalerei als Porträtkunst  in Paris eingeführt hatte, aber es fiel ihm schwer, aus dem Schatten von Rosalba Carriera zu treten.

Als der brillanteste französische Pastellmaler im 18. Jahrhundert galt dann aber Maurice Quentin de La Tour (1704-1788). Neben Jean-Baptiste Perroneau (1715-1783) war er der am meisten gefeierte Pastellporträtkünstler seiner Zeit. Rosalba Carriera hatte ihn von den Vorteilen der Pastellmalerei  überzeugt und er verfeinerte diese Maltechnik bis an die  Grenzen dieses Mediums.

Die Lieblingsmalerin des Hofs und ebenfalls Anhängerin der Pastellmalerei war Marie-Louise Vigee-Lebrun (1755-1842). In der Schweiz wurde Jean Etienne Liotard (1702-1790) mit seinen Porträts in Pastell in östlichen Kostümen sehr einflussreich.

Die reichen und zahlungswilligen Auftraggeber für Pastellbilder verschwanden mit der Französischen Revolution und die Ära des Porträts endete. Nur noch wenige große Künstler bedienten sich anschließend noch der Pastellmalerei. Erst Jean Francois Millet (1814-1875) setzte das Pastell wieder als innovatives und ausdrucksstarkes Medium für seine melancholischen ländlichen Szenen ein.

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Pastellmalerei im 19. Jahrhundert

Der Impressionismus kündigte ein neues Zeitalter der Malerei an. Auf die erneute Blüte des Pastells, welche sich in der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts in den Werken von Boudin und Sisley widerspiegelte folgt die Virtuosität impressionistischer Figuren.

Einer der wichtigsten Maler dieser Zeit war Eugene Delacroix ( 1798-1863 ). Er benutzte das Pastell in seinen Vorskizzen für die großformatigen Atelierkompositionen und auch für Landschaftsstudien.

Der Amateurkünstler Eugene Boudin (1824-1898) chuf zahlreiche schöne Szenen der normannischen Küste und war begeistert von Delacroix‘ Einsatz des Pastells.  Auch berühmte Maler wie Claude Monet (1840-1926) konnten sich diesem Einfluss nicht entziehen.

Camille Pissarro (1830-1903) und Berthe Morisot (1841-1895) schufen ebenfalls wie Edgar Degas (1834-1917), Edouard Manet (1832-1883) und Mary Cassatt (1845-1926) als wichtige Vertreter des Pastells im Impressionismus ihren beachtlichen künstlerischen Teil.

Das 20. Jahrhundert

Das 20.Jahrhundert kam auch nicht an der Pastellmalerei vorbei und bescheinigte ihr sogar eine Aufbruchstimmung. Alberto Giacometti, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, František Kupka, Joan Miró und sogar Pablo Picasso setzten das Pastell ein, um reine Farbwerte zu erzeugen und diese zu vergleichen.

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