Temperamalerei





Wenn man die historischen Wurzeln der Temperamalerei ergründen will dann muss man schon sehr viele Jahrhunderte in der Geschichte der Malerei zurückgehen.

Der Begriff Tempera geht auf das aus dem Lateinischen stammende italienische Wort »temperare« zurück. Im Prinzip bedeutet dieses Wort einfach nur „Vermengen“, wir würden heute sagen: „Vermischen“. Dieser Ausdruck allein sagt also noch nicht sehr viel über die Temperafarben, die sogar bereits im Altertum gemischt und verwendeten wurden. Das „Vermischen“ bedeutet hier maßgeblich, dass die Bestandteile des verwendeten Bindemittels sehr unterschiedlich sind. In unserem modernen Zeitalter würde man die Beschaffenheit der Temperafarben als Emulsion bezeichnen, was im Prinzip heißt, dass die Farbe aus sich abstoßenden Bestandteilen besteht. Praktisch sind dies wässrige und ölige Komponenten.

Je nach angewandter Rezeptur kann die angesetzte Temperafarbe sehr unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Man kann sie in Richtung Aquarellfarben schieben oder aber die Konsistenz von Ölfarben anstreben. Dadurch kann die Temperamalerei sehr unterschiedlich wirkende Werke hervorbringen. Ist der Anteil von öligen Bestandteilen sehr hoch dann spricht man auch von „fetten Temperafarben“, während ein hoher Wasseranteil zu „mageren Tempera“ führt.

Die fehlende Flexibilität im Umgang mit Temperafarben und die Vorteile anderer Maltechniken lassen Künstler auch heute meist eher zögerlich mit der Temperamalerei umgehen. Man muss die Bilder in gewisser weise planen und die Schichten sorgfältig aufbauen.  Maltechniken, bei denen die Farbe dick aufgetragen werden kann oder soll gibt es in der Temperamalerei nicht.

Das Malen mit Temperafarben ist eine mehr oder weniger langwierige Technik. Die kurze Haltbarkeit der Temperafarben, die zum Beispiel durch die Verderblichkeit von dem Eigelb in der Eitempera hervorgerufen wird führt dazu, dass es kaum fertige Temperafarben in fertiger Form zu kaufen gibt. Auch die Maltechniken mit Temperafarben sind doch eher eingeschränkt.

Aber trotzdem hatte und hat die Tempermalerei eine ganz eigene Faszination. Immerhin ist sie für einige Jahrhunderte die vorherrschende Art der Malerei gewesen, bis die Entwicklung und Optimierungen der Maltechniken der Ölmalerei die Temperamalerei fast völlig in den Hintergrund treten ließ. Bis hinein in das 14. Jahrhundert war die Verwendung von Eitemperafarben der Standard in der Malerei.

Die Temperamalerei hat aber in der Kunstgeschichte einen so wichtigen Platz, dass es sich lohnt, diese Maltechnik einmal selbst auszuprobieren. Neben der richtigen Mischung der Komponenten ist dabei der Malgrund von entscheidender Bedeutung. Biegsame Untergründe führen bei Temperafarben schnell zu Rissen . Daher ist Holz auch das traditionelle Untergrundmaterial in der Temperamalerei.